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** Jedes Kind hat ein Recht auf Eltern!! **

 

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Wir sind eine Selbsthilfegruppe für alle Herkunftseltern, zwangsadoptierte Geschwister Verwandte & sonstige von Zwangsadoption Betroffene.

 

Herkunftseltern der ehemaligen DDR wurden vielfach schon bei der Geburt um Ihre Kinder betrogen.

Diese wurden uns oft schon im Krankenhaus geklaut und man erklärte uns lapidar, diese seien verstorben oder zur Adoption freigegeben. Es gibt kaum Unterlagen & Beweise darüber.


Wir wollen miteinander reden und uns austauschen, über Erfahrungen, Gefühle u.s.w.
Wir wollen auch die Mütter ,Väter & Geschwister ansprechen, die Ihre Suche nach dem eigenen Kind schon beendet haben.

Wir möchten Unterstützung bieten, auf dem langen Weg der Suche damit das Leid, was uns widerfahren ist, sich nicht wiederholt.

Wir möchten auf unseren Internetseiten über das Thema Zwangsadoption & Herkunft sachlich informieren. Wir bieten Adressen von Selbsthilfegruppen. Sie finden Erfahrungsberichte, Literatur und Gesetzestexte, Hinweise zu aktuellen Veröffentlichungen und Seminaren zum Thema.

 

Es finden z.Zt. auch Kundgebungen in Berlin statt, an denen wir uns rege beteiligen sollten, damit wir unsere Kinder finden & Kinder Ihre Eltern.

Nur so kann auch in der Politik, Ämtern und Behörden ein Umdenken erfolgen.

Eine Suchseite haben wir auch eingebaut, auf diese hat jeder User des Internets Zugriff.

 

** Jedes Kind hat ein Recht auf Eltern!! **

 

Babys 60er Jahre

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2.Seite Focus 52/1 2013/2014

#1 von Kati1407 , 24.03.2014 10:27

DDR-Zwangsadoptionen
Seite 2:
„Eltern hatten gar kein Recht, etwas zu erfahren“

Auch Andreas Laake saß im Gefängnis, als ein Gericht ihm seinen Sohn wegnahm. Der Leipziger hatte wahrgemacht, woran Katrin Behrs Mutter damals nur dachte: abhauen. Mit seiner schwangeren Frau versuchte er 1984, in einem Schlauchboot über die Ostsee zur Lübecker Bucht zu paddeln. Die Küste auf der Ostseite lag schon ein paar Kilometer hinter ihm, als zwei Schiffe der DDR-Grenztruppen sein Boot entdeckten. Laake sagte seinen Vernehmern, er habe seine Frau zu der Flucht gedrängt, er trage ganz allein die Schuld.

Die Stasi entließ seine Frau aus der Untersuchungshaft, er bekam sein Urteil wegen Republikflucht im besonders schweren Fall: vier Jahre, sechs Monate. Seine Frau kappte alle Verbindungen zu ihm. Ob freiwillig oder dazu gedrängt, das weiß er bis heute nicht. Sie ließ sich nicht nur von ihm scheiden, sondern gab ihr gemeinsames Kind zur Adoption frei.

In der Haft sah er ein Foto, das ihm seine Mutter von dem Neugeborenen zeigte: ein Baby mit einem Plastikschlauch in der Nase. „Er war ein bisschen früh gekommen“, sagt Laake.

Für ihn gab es dieses Bild und einen Namen: Marko. Mehr nicht. Andreas Laakes Mutter hätte ihren Enkel gern großgezogen. Aber nach dem Willen der Behörden sollte er nicht in der Familie eines Verräters bleiben. Das Kind kam erst ins Heim und dann zu einer DDRloyalen Familie.

Warum stimmte er der Adoption nicht einfach zu? Er hätte sich vielleicht Hafterleichterungen dafür einhandeln können. Laake bevorzugt einfache Sätze, gerade wenn es ihm um wichtige Dinge geht. Er sagt: „Weil er mein Sohn war.“

In den Haftjahren klammerte er sich an die Vorstellung, dass er seinem Sohn irgendwann einmal davon erzählen könnte: Ich habe dich nicht freiwillig weggegeben. Nach dem Mauerfall, meinte er, könnte ihm niemand mehr die Auskunft darüber vorenthalten, in welcher Familie sein Kind jetzt lebte.

Er merkte schnell, dass er falsch dachte. Das Leipziger Jugendamt verweigerte ihm auch in dem neuen Staat jede Auskunft über den Aufenthaltsort seines Kindes. Außerdem kam ihm die Mitarbeiterin bekannt vor, der er Anfang der Neunziger gegenübersaß: Sie vertrat das Jugendamt schon zu DDR-Zeiten vor Gericht, als ihm das Erziehungsrecht aberkannt wurde.


Die damalige DDR-Bildungsministerin Margot Honecker 1970 bei einem Pioniertreffen in Cottbus. Die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ war die Massenorganisation für Kinder der FDJ (Freie Deutsche Jugend).

„Kinder, die ihren Eltern weggenommen wurden, haben es leichter, Auskunft über ihre Eltern zu bekommen“, sagt Katrin Behr. „Eltern haben gar kein Recht, etwas zu erfahren.“ Die Praxis gilt bis heute: Weil die Unterhändler des Einigungsvertrags die Zwangsadoptierten schlicht vergessen hatten, gelten auch für Leute wie Andreas Laake bundesdeutsche Datenschutzregeln. Allerdings stellte er sich genauso stur wie die Behörde.

Immerhin bekam er eine Kleinigkeit: einen Umschlag mit Kinderbildern seines Sohnes. Aber keine Adresse. Im Oktober 2013 berichtete die SAT.1-Sendung „Bitte melde dich“ über seinen Fall. Einen Tag später bekam er einen Anruf, eine fremde Männerstimme sagte: „Hier ist Marko.“ Laake dachte im ersten Moment an einen Scherz. Und verpasste gewissermaßen seinen Einsatz. Dann begriff er und fragte: „Mein Marko?“

„Dein Marko.“

Alle paar Tage, erzählt Andreas Laake, würden sie einander eine SMS schreiben oder miteinander telefonieren. Als ihn Marko besuchte und beide Fotoalben anschauten, die in der Adoptionsfamilie entstanden waren, erzählt Laake, konnte er sich allerdings nicht richtig freuen: „Das waren die Bilder, die ich selbst gern gemacht hätte.“

Ihm geht es wie den meisten anderen, die eine Zwangstrennung erlebten: Sie schauen wie durch eine Glasscheibe auf das verpasste Stück Leben.


Fast 500 000 Kinder waren in Heimen der DDR-Jugendhilfe. Foto: Zentralbild dpa

Ungefähr 75.000 Inkognitoadoptionen fanden in der DDR statt. Das hieß: Die leiblichen Eltern erfuhren nicht, wohin ihre Kinder kamen. In welchen Fällen dabei Zwang im Spiel war, sagt Katrin Behr, sei nicht immer leicht zu erkennen.

Die Willkür versteckte sich manchmal hinter unauffälligen Floskeln. Vor Janine H., 39, liegt ein Aktenkonvolut, in dem sie nachlesen kann, wie die DDR in den 70er-Jahren über sie verfügte. Ihre allein erziehende Mutter kam damals ans Ende ihrer Kräfte: Sie musste sich neben ihrer Arbeit um ihre drei Kinder kümmern, Janine, von Geburt an of krank, verweigerte oft das Essen. „Viel später ist dann festgestellt worden, dass ich einen mangelhaft ausgebildeten Schluckreflex hatte“, erzählt Janine H. „Mir fällt es heute noch schwer, Tabletten runterzubekommen.“

Einmal rutschte ihrer Mutter, genervt von dem vermeintlichen Essstreik, die Hand aus. Ein roter Fleck auf dem Po und der schlechte Ernährungszustand der Einjährigen genügte der Abteilung Jugendhilfe in Ostberlin, um ihre Maßnahmen einzuleiten. Und die bestanden nicht etwa darin, die Mutter zu unterstützen. Sondern in der Entscheidung, ihr das Mädchen wegzunehmen und einer staatsloyalen Ärztin zur Adoption zu geben. Janines eingeschüchterte Mutter unterschrieb 1975 das Formular mit ihrer Einwilligung, weil ihr die Behördenmitarbeiter drohten: Wenn Sie sich weigern, können wir Ihnen die anderen Kinder auch noch wegnehmen.

Manche Kinder landeten noch nicht einmal in Ersatzfamilien, sondern in dem finstersten Winkel des Staates: den Spezialheimen und Jugendwerkhöfen.

In einem Stasi-Bericht von 1989 über einen Jugendwerkhof heißt es, Jugendliche würden dort „regelrecht gezüchtigt“, die Folge sei „Gehorsam aus Angst vor Gewalt bis hin zu psychischen Störungen“.

Wer mit Opfern der Zwangsadoptionen spricht, der merkt: Keines von ihnen kann wirklich mit seiner Geschichte abschließen. Und das liegt nicht nur an der Vergangenheit. Zwangsadoptierte gelten offiziell bis heute nicht als Opfer von Unrecht. Kein einziger der Funktionäre, die damals einen regelrechten Krieg gegen Familien entfachten, musste bisher vor Gericht, weder Margot Honecker noch ihre Helfer.

Und in vielen ostdeutschen Amtsstuben sitzen offenbar noch die Sachbearbeiter von früher. Nach Recherchen von Andreas Laake arbeitet im Leipziger Jugendamt noch immer die Adoptionsverantwortliche, der er schon in den 80er-Jahren begegnete. Auf FOCUS-Anfrage teilt die Stadt Leipzig mit, sie gebe „zu internen Personalfragen keine Auskunft“.

Laakes Geschichte bezeichnet der Sprecher der Stadt als „in den Medien geäußerte Vorwürfe, in seinem Fall läge eine 'Zwangsadoption' vor“- obwohl Laake mit Akten und Urteilen den staatlichen Willkürakt detailliert belegen kann.

„Immer sind wir es, die sich rechtfertigen müssen“, sagt Laake. „Und die Täter von damals werden geschützt.“


Am Ende des Tunnels ist immer ein Licht

 
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